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Art Basel Statements

2009
Basel, CH
Type: Consulting Spatial Design

Commissioned by Art Basel

Credits
  • Spatial Design by Tammo Prinz and Markus Miessen

Chance für das Neue

Das Kunstjahr ist vorbei, aber für eine Pause ist kaum Zeit. Nach sämtlichen Biennalen, Kunstmessen, kulturellen Veranstaltungen und Ausstellungen erwartet die Art Basel als führende globale Kunstmesse die nächsten Besucherströme. Das neue Jahr hat begonnen und die Messen und Biennalen werden in diesem Jahr die globalen Kunstnomaden wieder um den Erdball führen.

Um der weltweiten Austauschbarkeit, die mittlerweile am besten auf e-flux erfahrbar ist, zu entgehen und wieder einen Schritt voraus zu sein, wird die Art Basel ihrer Rolle gerecht und erfindet das eigen kreierte Konzept der Statements neu. Da global einige Messen vor allem räumlich und strukturell nachgezogen haben, versucht das hier präsentierte Konzept aufzuzeigen, wie der zukunftsweisende Schritt der Art Basel auch räumlich erfahrbar gemacht werden kann.

Doch wie schafft man es dem globalen Status Quo von Standardzirkulation über Ausrichtung am Raster bis hin zur Verteilung über oft unübersichtliche und in sich isolierte Bereiche zu entkommen? Wie bindet man weiterhin die bekannten Besuchermassen an den Standort Basel und wie rekrutiert man potenzielle neue Besuchergruppen? Was macht den Kunststandort der Art Statements speziell? Wie produziert man hier Inhalte und stellt diese nicht, wie auf anderen Messen, nur dar?

In Zeiten des globalen Stadtmarketings a la Bilbao erschließt sich jedoch eine tatsächliche und nicht nur marketingstrategische Chance: mit wirklichen Inhalten zu punkten, mit einem Forum, dass über das Angefragte, Erwünschte und sich selbst weit hinaus geht. Hier wird die Messe als Institution in den Köpfen der Menschen langfristig verankert.

Zentrale Vision

Wir begreifen die Art Basel Statements als Manifest/Statement in sich. Eine räumliche Toolbox, die für mehr steht als sich selbst – nicht nur für eine singuläre Position, sondern die Möglichkeit, sämtliche Positionen zu vereinen, zu durchdenken und neu zu produzieren.

So wie Jeremy Penthams Panopticon sich aus dem Zentrum in den Perimeter erschließt, erschließen wir die Statements aus dem Perimeter nach innen: ein kaleidoskopisches Spektrum, dass sich selbst immer wieder neu beleuchtet. Es präsentiert eine räumliche und inhaltliche Neupositionierung des Statements-Konzepts durch eine zentrale Content Zelle, ein Forum der inhaltlichen Auseinandersetzung und Reflektion.

Idealismus oder Pragmatismus? Nein. Idealismus und Pragmatismus!
Noch eine Messe, nur mit anderem Inhalt? Nein. Art Basel Statements soll sowohl die finanzstarken Käufer als auch die wichtigsten global agierenden inhaltlichen Künstler, Produzenten, Institutionen, Kritiker, Journalisten und lokale Gäste anziehen und durch diese Mehrgleisigkeit eine inhaltsgestützte Nachhaltigkeit erzielen. Auf diesem Weg wird die Art für Alle zum Treffpunkt.

Im Zeitalter der Schnelllebigkeit muss sich eine Kunstmesse heute deutlich von anderen Mitstreitern absetzten. Es sollte ein Paket geschnürt werden, dass auch hält, was es verspricht. Deshalb konzentriert sich unser Entwurf nicht nur auf die bestmögliche und effektivste Darstellung existierender Statements, sondern produziert einen zentralen Ort der Messe, auf der Inhalte neu formuliert, gegeneinander gesetzt und ausgehandelt werden: ein Ort der kollaborativen Wissensproduktion, eine zentrale Content-Maschine. Deshalb ist unsere Vision der Statements nicht nur eine Messe als Show, sondern vielmehr ein Ort an dem Werte vermittelt werden.

Hier ist für uns wichtig, dass nicht ein aufgesetzter Idealismus, sondern die inhaltliche Realisierbarkeit des Entwurfs im Vordergrund steht. Wir sind keiner erträumten Formalität verhaftet oder ketten uns an ein vorproduziertes Interieur-Vokabular.

Materialität und Akustik

Unser Entwurf präsentiert einen Präsentationsring aus Galerien und deren Statements in dessen Mitte ein Kern aus variablen Programmen zur Schnittstelle zwischen Messe und Besucher wird. Dieser Kern, in dem Inhalte in Foren, Medien und Formaten, wie zum Beispiel Artist Lounge, Artist Books and Records, Conversations, und Lobby ausgehandelt werden, präsentiert sich in unbehandelter Holz-Konstruktion bewusst als roh und unfertig. Offen für Neues möchte dieser Raum ständig neu erfunden werden anstatt sich als bereits vollkommen abzubilden.

Die Akustik funktioniert hier nach dem Zwiebelprinzip, das mehrere variable Ringe als akustische Pufferzonen ausbildet. Der zuerst abstrakte Grundriss wird dadurch direkt zum pragmatischen Raumkonzept, das sich über die Verteilung der zentralen Programme und Zonen bis hin zum Forum der Conversations entwickelt.

Kollaborationen

Unser Gesamtpaket beinhaltet eine Reihe von Tools, die verschiedene Maßstäbe abdecken. Im Rahmen der Statements arbeiten wir mit der international renommierten Münchner Mode-Designerin Ayzit Bostan und dem ebenfalls Münchner Industrie-Designer Konstantin Grcic zusammen. Als Gruppe haben wir bestimmte Themenfelder ausgearbeitet, die sowohl von der Gruppe als auch Einzelakteuren neu durchdacht werden.

Ayzit Bostan wird sich konkret auf zwei Punkte konzentrieren: das erdgeschossige Verbindungsglied (Tunnel) zwischen Außenraum und der Statement (erster Stock), sowie einer haptischen Präsentationsform für eine Reihe von Art Basel Statements Produkten, die wir zusätzlich zum Ausstellungsdesign als integrale Bestandteile verstehen und vorschlagen. Hierbei handelt es sich um ein speziell zur Art Basel Statements produzierten Mini-Atlas/Büchlein aller Galerie-Statements, eine DVD mit einer kuratierten Auswahl von Conversations aus dem Art Basel Archiv, eine Statements Tragetasche, sowie einer Reihe strategisch platzierter Automaten, in denen diese Produkte erhältlich sein werden.

Konstantin Grcic wird (in Zusammenarbeit mit Jörg Koch, 032c, Berlin) eine Reihe speziell für die Art Basel nachgerüsteten und individualisierten Möbelstücken für spezielle Sitzgelegenheiten sorgen. Diese werden sich vor allem auch durch Farbkonzept in der zentralen Zelle des Forums/Conversations abbilden.

So versuchen wir nicht nur einen produktiven Mehr- und Erfahrungswert zu schaffen, sondern auch für die Besucher einen haptischen Maßstab aufzuzeigen. Auf der Statements kann man selber zum Produzenten werden. Hier werden Inhalte nicht nur formuliert, sondern können auch nach eigenem Belieben zusammengestellt und mit nach Hause genommen werden.

Zukunft jetzt

Wir begreifen die Art Basel 2009 als Chance in der globalen Krise. Gerade jetzt erschließt sich uns die Möglichkeit durch klar formulierte Positionen einen neuen Ansatz zu erarbeiten. Dieser Ansatz vereint Raum und Inhalt. Hier werden Positionen nicht dogmatisch verteidigt, sondern eröffnen einen Raum des Austauschs und der Wissensproduktion, an dem neue Positionen erarbeitet und nicht einfach ersetzt werden.

Die Statements als Labor, Inspiration, temporäres Forschungsinstitut und Akademie erstellt dadurch ein eigenes, nicht emulierbares Qualitäts- und Gütesiegel, das sich klar von der Vielzahl der globalen Mitstreiter wie zum Beispiel Frieze, FIAC, Armory etc. absetzt: ein speziell durchdachter und produzierter integrativer Ort für Sammler, Künstler, Kuratoren, Produzenten, Galleristen, und Kulturschaffende, die an einem Ort zusammenkommen anstatt sich ausgegrenzt fühlen.

Hier trifft sich Anerkennung von Tradition und kritische Selbstreflektion als Produktionsmaschine neuer Realitäten, die nur hier in Basel so produziert werden können – so wird die Messe als ganzheitlicher Wirtschafts- und Innovationsstandort erfahrbar gemacht: Art Basel Statements als Stadt in der Stadt in der Stadt. Ein Ort, der sich als Content-Raum neu erfindet.